Uli Zwerenz

Malerei und Zeichnung

Harald Kröner

Collagen aus Papier

12. April – 17. Mai 2014

Eröffnung

Freitag 11. April, 18 – 21 Uhr

Das Unbekannte kann bedrohend sein, wir gehen ihm lieber aus dem Weg, aber es kann auch den Schlüssel zu neuen und notwendigen Erkenntnissen liefern. Wir kommen nur weiter, wenn wir uns auf das Ungewisse einlassen. Künstler können dabei Vorreiter sein, seismographisch Entwicklungen vorausahnen und erkennbar machen, ebenso leidenschaftlich wie Wissenschaftler nach neuen Einsichten und Wahrheiten suchen.

Harald Kröner und Uli Zwerenz sehen ihre Arbeit als offenes Experiment innerhalb vorgegebener Bedingungen. Sie beginnen ohne Plan, das Werk entsteht in einer Zwiesprache zwischen Intuition, der Reflexion darüber und dem Material, das sie verwenden. Die Galerie Albrecht freut sich, die beiden Künstler in Berlin vorzustellen.

Bei Harald Kröner ist das Material Papier, oft auch gefundenes, bereits gebrauchtes oder bedrucktes, das er in den gezeigten sehr kleinformatigen Collagen in einem längeren Arbeits-und Beobachtungsprozess zu blühenden kleinen Preziosen verdichtet, durch Schneiden, Reissen, Falten, Überlagern, Zeichnen und Malen. In den neuen mächtigen schwarzen Lackarbeiten wiederum – zwei davon sind in der Ausstellung zu sehen - wird ein grosser Papierbogen vollständig mit einem glänzenden Lack bedeckt und in das noch nasse Material Papierstücke eingelegt, die sich während des langsamen Trocknens gleichsam in die Oberfläche einschmelzen. Der Zufall will es, welche der eingelegten Elemente am Ende sichtbar bleiben und welche die Farbe völlig verschluckt. Trotz ihrer scheinbaren Beiläufigkeit, der entschiedenen Offenheit und Durchlässigkeit sind die Papierarbeiten sehr präzise. Gerade die kleinsten Blätter schärfen das Wahrnehmen von Raumverhältnissen und justieren den Blick des Betrachters förmlich neu.

In seiner Malerei bewegt sich Uli Zwerenz in einem Zwischenbereich zwischen Steuerung und Geschehenlassen, einem steten Hin und Her von spontanem Tun und reflektierendem Betrachten. Ist er am Anfang der Bestimmende, beginnt sich das Bild im Lauf des Malprozesses von ihm zu lösen und selbstständige zu entscheiden, es scheint ihn zu führen, er weiss nicht wohin. Lässt er sich auf das Unbekannte ein, ergeben sich überraschende Momente, in denen sich Neues entwickelt. Die Zeichnungen entstehen schnell, oft schwarz weiß oder mit nur wenigen Farben, die Bilder brauchen Monate, um die endgültige Farbigkeit und Komplexität zu erreichen. Die Farben spielen neben dem Werden und Auflösen von Formen eine große Rolle.

Harald Kröner (*1962) studierte von 1984-90 an der Kunstakademie Stuttgart, nach Atelierstipendien in Basel und Paris lebt und arbeitet er nun in Pforzheim. Seine Arbeiten befinden sich in Privatsammlungen, im öffentlichen Raum, in der Staalichen Kunsthalle Karlsruhe, dem Minsterium für Wissenschaft und Kunst Stuttgart und weiteren öffentlichen Sammlungen.

Uli Zwerenz (*1958 München) studierte von 1980-84 an der Hochschule für Künste in Berlin, nach Aufenthalten auf Hydra, Griechenland, in Madrid und New York, lebt und arbeitet er seit 1993 in München. Seine Arbeiten befinden sich in zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen, in München in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und den Staatlichen Graphischen Sammlungen.

The unknown can be threatening, we’d rather avoid it – but it can also be the key to new and necessary realisations and knowledge. We will make progress only if we engage with the uncertain. Here, artists can be pioneers, they can seismographically anticipate developments and make them visible; they seek new truths with as much passion as scientists do.

Harald Kröner and Uli Zwerenz regard their work as an open experiment within prescribed conditions. They set out without a fixed plan, and the work comes about in a dialogue between intuition, thinking about this intuition, and the material they use. Galerie Albrecht is pleased to introduce these two artists to Berlin.

Harald Kröner’s material is paper, which is often found, already used, or printed on, and which he rips, folds, overlaps, draws and paints on – the result are very small collages, condensed into precious artefacts that emerge after a lengthy process of observation and thought. For his new impressive lacquer works on the other hand, of which two are shown in the exhibition, a large sheet of paper is covered completely with black lacquer, and before the material has dried, he inserts pieces of paper which, as it were, melt into the surface during the drying process. It is left to chance which elements remain visible and which are completely swallowed up by the paint. Despite their seemingly incidental nature, their decided openness, and their permeability, these paper works are very precise. Especially the smallest works sharpen our perception of spatial relationships and almost recalibrate our gaze.

In his paintings, Uli Zwerenz oscillates between control and allowing things to happen, a continuous to and fro between spontaneous acts and a reflective gaze. While at the beginning the artist is in control, in the course of working on his paintings, they seem to become more independent and decide on their own, they seem to lead him and he doesn’t know where. If he really engages with and allows for the unknown, surprising moments come about and something new develops. He produces his drawings quite quickly, often in black and white with just a few colours, while the paintings take months until their colours and complexity have finally been decided. In addition to the emergence and dissolution of forms, the colours play an important role.

Harald Kröner, born in 1962, studied at Kunstakademie Stuttgart, then he had studio scholarships in Basel and Paris, and he now lives and works in Pforzheim. His works are in private collections, in public spaces, in the Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, the ministry for science and art in Stuttgart and other public collections.

Uli Zwerenz, born in 1958 in Munich, studied from 1980-82 at Hochschule für Künste in Berlin. He spent time on Hydra in Greece, in Madrid, and in New York; he now lives and works in Munich. His works are in numerous private and public collections, for example in the Bayerische Staatsgemäldesammlungen and the Staatliche Graphische Sammlungen in Munich.