E.T.A. Hoffmann "Der unheimliche Gast"
kuratiert von Sebastian Strenger
Maike Gräf
Philip Grözinger
Daniel Kannenberg
Gunilla Jähnichen
3. Dezember 2011 - 28. Januar 2012
Der unheimliche Gast
Galerie Susanne Albrecht auf den Spuren von E.T.A. Hoffmann
Gruselig. Unheimlich. Die subtile Angst schwingt mit – das Gefühl des Undurchschaubaren ist allgegenwärtig. Eine Erfahrung, die bei der gleichnamigen Erzählung E.T.A Hoffmanns den Leser beschleicht. Vor nahezu zweihundert Jahren geschrieben und aktueller denn je. Mit vier künstlerischen Positionen in der Galerie Susanne Albrecht nimmt sich die vom Leiter des Europäischen Kunstvereins, Sebastian C. Strenger, kuratierte Gruppenausstellung zeitgenössischer Themen an. Die Ausstellung ist in den Galerieräumen in nächster Nähe zum Gendarmenmarkt bis zum 28. Januar in Berlins Mitte zu sehen.
Sexueller Missbrauch, Euro-Rettungsschirm, Facebook – aktuelle Themen, die E.T.A Hoffmanns Menschenbild inklusive Persönlichkeitsspaltung und Identitätsverlust im 21. Jahrhundert ankommen lässt. Der unheimliche Gast – eine Ausstellung, die mit den Ängsten unserer Zeit fertig wird. Ängste gegenüber Phänomenen, deren subtile Gefahr uns ein latentes Entsetzen bereitet.
Von seinem Antagonismus zwischen vernünftiger Normalität und dem fremdartigen Phantastischen erzählen auch die Bilder von Philip Grözinger. Sie begeben sich in die Außen- und Innenwelt unserer Zeit und beschwören einen neuen Magischen Realismus.
In den Skulpturen von Maike Gräf begegnet man aktueller Populärkultur. Die Holzbildhauerin erzählt in ihren aktuellen Arbeiten vom gesellschaftlichen Verhaltenscodex. Sie nutz in Ihrer Bildsprache ein kunsthistorisches Vokabular, in der das Reduzierte des Comics auf eine von Graffiti und außereuropäischen Kulturen geschulte Sprache eines Jean-Michel Basquiat trifft.
Mit Daniel Kannenbergs Skulptur sowie gleichnamigen Bild Pour Monsieur entstand aktuell ein Mahnmal für das Männliche. Er rezitiert Hoffmann, indem er verschiedene maskuline Eigenschaften durch die unterschiedliche Materialität mit Holz, Kunststoff, Eisengitter, Nägel sowie tierische Knochen zum Einsatz bringt.
"…so kann vielleicht jene grauenhafte Angst, deren Ursache uns verborgen bleibt, der Nachhall irgendeines gewaltigen Zaubers sein, der uns selbst entrückte."Gunilla Jähnichens Werke spiegeln diesen Möglichkeitsraum, in welchem die Farben Stimmungen erzeugen. Stilistisch schafft es die 39jährige Künstlerin die Tradition eines Carl Hofers wiederauferstehen zu lassen.
Alle vier Künstler sind gute Gastgeber für einen unheimlichen Gast.
© Sebastian Strenger, 2011.
The Uncanny Guest
Galerie Susanne Albrecht in the footsteps of E.T.A. Hoffmann
Spooky. Uncanny. A subtle fear resonates – a sense of the inscrutable is omnipresent. An experience that creeps up on the reader of the eponymous story by E.T.A. Hoffmann, written almost 200 years ago and more topical than ever. The head of the Europäischer Kunstverein, Sebastian C. Strenger, takes on contemporary topics by presenting four artistic positions in the exhibition curated by him at Galerie Susanne Albrecht. The exhibition is on show until 28 January at the gallery in Berlin Mitte, in close proximity to Gendarmenmarkt.
Sexual abuse, Euro bailout fund, Facebook – current topics that transport E.T.A. Hoffman’s view of man, including split personality and loss of identity, into the twenty-first century. The Uncanny Guest – an exhibition that tackles the fears of our time. Fears of phenomena whose subtle danger causes a latent horror in us.
The paintings by Philip Grözinger speak of his antagonism between rational normality and the alien fantastic. They enter the interior and exterior worlds of our age and evoke a new magical realism.
In Maike Gräf’s sculptures, we encounter current popular culture. In her most recent works, the wood sculptor tells of the social codex of behaviour. In her visual language she uses an art historical vocabulary where the reduction of a comic meets the language of Jean-Michel Basquiat, schooled by graffiti and non-European cultures.
Daniel Kannenberg’s sculpture and eponymous painting Pour Monsieur is a current monument to masculinity. He recites Hoffmann by using various materialities like wood, plastics, iron grids, nails, and animal bones to express masculine characteristics.
"… perhaps that sense of fear and anxiety, of which the cause is hidden from us, may be the lingering echo of some mighty spell which has forced us out of ourselves." Gunilla Jähnichen’s works reflect this space of possibility, where the colours produce moods, Stylistically, the 39-year-old artist succeeds in reviving the tradition of Carl Hofer.
All four artists are good hosts to an uncanny guest.
© Sebastian Strenger, 2011.
