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Autonomie und Dialog

Julia Baier – Sylvie Enjalbert – Silke Leverkühne

11. Februar18. März 2023

Gerade in Zeiten großer Unsicherheit kann es hilfreich sein, sich an dem zu orientieren, was schon immer da war. Es verleiht die tröstliche Versicherung, dass es Stabilität im Leben gibt. Auch der Blick zurück kann dazu beitragen, sich in der schwankenden Gegenwart gefestigter zu finden.

Die Fotografin Julia Baier, die Keramikerin Sylvie Enjalbert und die Malerin Silke Leverkühne nehmen Vergangenes und Beständiges als Basis für das Gegenwärtige. In ihrer Fotoserie holt Julia Baier geerbte, schon lange nicht mehr getragene Pelzmäntel hervor. Sie versprachen einmal wärmenden Schutz und bedeuteten Wohlstand, heute erscheinen sie wie etwas Schweres aus der Vergangenheit. Julia Baier erweckt sie zu neuem Leben. Sie fliegen, schweben und verwandeln sich zu überraschenden Figuren, die sich mit spielerischen Leichtigkeit durch den Raum bewegen. Der Blick von oben ist auf die sich wandelnden Formen konzentriert und bringt die immer wieder neue lebendige Wesen zum Vorschein.

Wenn die Keramikerin Sylvie Enjalbert Ihre Vasen und Gefäße baut, knüpft sie an eine lange Kulturgeschichte an. Vielleicht gibt es keine andere Kunstgattung in der die Frage um Stabilität so zum Ausdruck kommt wie in der Keramik. Das Material erscheint delikat, die Formen aber haben sich über die Zeit kaum verändert. Bei Sylvie Enjalbert sind es die hinzugefügten Details, die den zeitlosen Formen eine neue Richtung geben. Die schlichten unglasierten archaisch anmutenden Vasen stehen wie eine Primaballerina auf schmalen hochgezogenen Fü.en, Schalen werden exzentrisch gebaut und verlieren die Statik. Auf der Seite liegend gehen sie in eine bewegliche Position über. Es sind Kunstwerke, nicht mehr für den Gebrauch bestimmt.

Wolken vereinen Vergangenheit und Zukunft. Sie entstehen, vergehen und wandeln ständig ihr Erscheinungsbild. Die Malerin Silke Leverkühne findet in ihnen eine unendliche Quelle der Inspiration. Von der Sonne beschienene Wolken, dunkle, sich zusammenballende Gewitterwolken oder luftige im hellen Morgenblau – ihre Malerei hat alle Freiheit und bezieht sich doch auf ein Gegenüber. Abstraktion und Motiv halten sich spannungsvoll die Waage. Die Bilder erscheinen wie Sinnbilder für den auf Autonomie bedachten Dialog.


Julia Baier (1971) studierte an der Hochschule für Künste Bremen Fotografie und ist heute freischaffende Fotografin und Künstlerin. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Neben Aufträgen für internationale Agenturen, Magazine und Zeitungen, arbeitet sie als Künstlerin an freien, fotografischen Themen. Ihre Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet und in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt. Sie ist seit 2019 Mitglied des internationalen Fotgrafinnenkolletktivs UP Photographers.

Sylvie Enjalbert (*1973) wird regelmäßig eingeladen, ihre Werke in Japan, Südkorea und China auszustellen, wo sie auch die Möglichkeit hatte, als Gastkünstlerin zu arbeiten. Das Ariana Museum Genf zeichnete sie im letzten Jahr für ihr Gesamtwerk aus, insbesondere für die letzten Werke, die ihre tiefe Verbundenheit mit ihrem inneren Selbst widerspiegeln.

Silke Leverkühne (*1953) studierte Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf und an der Accademia di Belle Arti in Florence. Von 2004-2020 lehrt sie als Professorin für Malerei an der Universität Köln. She lebt und arbeitet in Düsseldorf. Ihre Arbeiten werden sowohl national als auch international in Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt und befindet sich in privaten und öffentlichen Sammlungen; dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit, Berlin; der Kunstsammlung des Landes NRW, Kornelimünster; dem Museum Kunst Palast, Düsseldorf; Leopold-Hoesch-Museum, Düren; der Sammlung Deutsche Bank, Frankfurt; Sammlung Bayer, Leverkusen; Sammlung der Provinzial Rheinland und vielen anderen.



Autonomy and Dialogue

Julia Baier – Sylvie Enjalbert – Silke Leverkühne

February 11March 18, 2023

Especially in times of great insecurity, it can be helpful to look to what has always been there. That can provide the comforting reassurance that there is stability in life. Looking back can also help to provide a firmer footing in the unsteady present. The photographer Julia Baier, the ceramist Sylvie Enjalbert, and the painter Silke Leverkühne take things from the past that have proven to be enduring as the basis for the present.

In her photo series, Julia Baier retrieves inherited fur coats, which haven’t been worn in a long time. Once, they promised warmth and protection and signified wealth; today, they seem like something cumbersome from the past. Julia Baier gives them a new life. They fly, float, and transform into surprising figures that move through space with playful lightness. The perspective from above on the transforming shapes ensures concentration and reveals ever new living creatures.

When the ceramist Sylvie Enjalbert constructs her vases and vessels, she continues a long cultural history. Perhaps no other artistic genre provides as much room to explore the question of stability as does ceramics. The material appears delicate, but the forms have hardly changed over time. With Sylvie Enjalbert, it is the added details that give the timeless forms a new direction. The plain, unglazed, seemingly archaic vases stand like a prima ballerina on feet drawn upwards; bowls are eccentrically constructed and lose their statics. Lying on their side, they transition into a mobile state. They are works of art, no longer meant to be used.

Clouds unify the past and the future. They emerge, dissipate, and continuously change their appearance. The painter Silke Leverkühne finds in them an infinite source of inspiration. Clouds illuminated by the sun, dark agglomerating storm clouds, or light clouds against a blue morning sky – her painting has every freedom, and yet refers to a vis-à-vis. Abstraction and motifs maintain a charged balance. The paintings seem like emblems of a dialogue intent on autonomy.


Julia Baier (*1971) studied photography at the Bremen University of the Arts and is now working as freelance photographer and artist in Berlin. In addition to commissions for international agencies, magazines and newspapers, she works as an artist on free photographic subjects. Her work has won several awards and been shown in numerous international exhibitions. She has been a member of the international photographer collective UP Photographers since 2019.

Sylvie Enjalbert (*1973) has been regularly invited to show her artworks in Japan, South Korea, China, where she also had the opportunity to work as a resident artist. The Ariana Museum Geneva rewarded her last year for the entire work and especially for the last creations reflecting the deep connection she has with the inner self.

Silke Leverkühne (*1953) studied painting at the Kunstakademie Düsseldorf and at the Accademia di Belle Arti in Florence. From 2004-2020 she taught as a professor of painting at the University of Cologne. She lives and works in Düsseldorf. She has been exhibiting in solo and group exhibitions, both nationally and internationally. Her work can be found in numerous private and public collections, including Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit, Berlin; Kunstsammlung des Landes NRW, Kornelimünster; Museum Kunst Palast, Düsseldorf; Leopold-Hoesch-Museum, Düren; Sammlung Deutsche Bank, Frankfurt; Sammlung Bayer, Leverkusen; Sammlung der Provinzial Rheinland.



Photos copyright:
Exhibition views: Sandy Volz
Silke Leverkühne: Achim Kukulies und Nic Tenwiggenhorn
Sylvie Enjalbert: Jérémie Logeay