Sabine Herrmann, gerissene täuschung der sinne, für ct, 2026, pigmente auf Farbpapier, 21 x 29,5 cm (Ausschnitt)

Sense & Sensation

Sabine Herrmann / Malerei

7. November 2026 – 9. Januar 2027

Sabine Herrmanns neue Bilder, sie sind alle 2026 entstanden, fordern dazu auf, sich vollständig auf sie einzulassen. Auch wenn die Künstlerin mit sense beginnt, eine Vorstellung im Kopf hat, wie die Malerei aussehen soll, das Ergebnis ist reine sensation, ein Gefühlsraum, in dem es ab und zu etwas gibt, was an Figuration erinnert. Unsere eigene Vorstellungskraft kann darin lesen, was sie findet und erfindet. Die Künstlerin gibt Freiheit, was wiederum anspruchsvoll ist. Aber die Erfahrung der Freiheit nach dem Mauerfall hat sie für ihr weiteres Werk geprägt. Sie hat die Figuration abgelegt und sich mutig dem freien malerischen Ausdruck zugewandt, dabei eine ihr ganz eigene Technik entwickelt.

Die Malereien auf Papier zeichnen sich durch große Transparenz aus. Die zwangsläufig auf einem zweidimensionalen Blatt Papier übereinander liegenden Farben entwickeln Dynamik. Was unten liegt scheint oben zu sein, was oben ist unten. Sie beschreiben einen dreidimensionalen Raum, in dem der Blick in die Tiefe gehen kann.

Auch wenn alle Werke Titel tragen, dienen sie nicht der Erklärung. Sie entwickeln sich assoziativ beim Betrachtens der fertigen Malerei – sie stehen nicht am Anfang. Der Künstlerin ist es dennoch wichtig, der Sache einen Namen zu geben und Sprache mit Malerei zu verbinden. Auf diese Weise holt sie die sensation zurück und gibt ihr sense, der während des Schaffensprozesses jedoch nicht bestimmend war.

Wenn ich mich nicht einlassen will, bietet das Zusammenspiel der Farben meinem Auge ästhetischen Genuss. Es genügt zu schauen, das Gefühl stellt sich später ein.

Sabine Herrmann’s new paintings, all from 2026, call on us to fully engage with them. Even if the artist begins with sense, and has an idea in her mind what the painting should look like, the result is pure sensation, an emotional space where, from time to time, there is something reminiscent of figuration. Our own imagination can read there what it finds and invents. The artist gives us freedom, which in turn is challenging. But the experience of freedom after the Berlin wall came down has shaped her and her subsequent work. She renounced figuration and bravely turned toward free painterly expression, developing a technique all her own.

The paintings on paper are characterised by great transparency. The colours, inevitably layered on top of one another on a two-dimensional sheet of paper, develop their own dynamics. What lies below seems to be on top, what is on top is below. They depict a three-dimensional space which our gaze can penetrate deeply.

Even if all works have titles, these don’t serve to explain anything. They emerge associatively while the finished painting is contemplated – they don’t stand at the beginning. But for the artist it’s nonetheless important to give the thing a name and to connect language and painting. In this way, she recovers the sensation and lends it sense, which however was not decisive during the creative process.

If I don’t want to engage, the interplay of colours offers aesthetic pleasure to the eye. Looking is enough; the emotion will come later.

Sabine Herrmann, o.T., 2026, Pigmente, Acryl auf Bütten, 50 x 64,5 cm

Sabine Herrmann (*1961) studierte Malerei an der HfBK Dresden, von 1982 bis 1986 an der Weißensee Kunsthochschule Berlin und von 1990 bis 1991 an der Ecole Nationale Supérieure d’Art de la Villa Arson Nizza. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Nach dem Studium folgten Arbeitsaufenthalte in Irland, Italien, Japan und den USA. Wichtige Stationen Ihrer künstlerischen Laufbahn waren Ausstellungen im Bundeskanzleramt Berlin 2002, „Gegenstimmen„ im Martin-Gropius-Bau Berlin 2016, „the collection for the 21st century“, Nationalgalerie Berlin 2024 -2026 „Rebellinnen“ , Kunsthalle Emden, 2026 und die Retrospektive im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst Cottbus 2017.

Ihre Arbeiten befinden sich in öffentlichen Kunstsammlungen wie der Nationalgalerie der Gegenwart, Berlin, dem Landesmuseum Berlinische Galerie, dem Kunstmuseum Ahrenshoop, der Akademie der Künste Berlin, dem Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst, dem Märkischen Museum Berlin (Stiftung Stadtmuseum Berlin), der Kunstsammlung der LBS Potsdam, der Stiftung Kunstforum der Berliner Volksbank und in privaten Kunstsammlungen wie der Sammlung Seiz Reutlingen.

Sabine Herrmann (born in 1961) studied painting at HfBK Dresden, from 1982 to 1986 at Kunsthochschule Berlin, and from 1990 to 1991 at l’Ecole Nationale Supérieure d’Art de la Villa Arson in Nice. She lives and works in Berlin. After her graduation, she travelled and worked in Ireland, Italy, Japan, and the United States. Important milestones of her artistic career were exhibition at the Federal Chancellery in Berlin in 2002, Gegenstimmen at Martin-Gropius-Bau Berlin, Die wilden 80er Jahre at Potsdam-Museum in 2016, and her solo show at Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst in Cottbus. Her works are part of the permanent exhibition of Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart.

Her works can be found in public art collections such as Nationalgalerie der Gegenwart, Landesmuseum Berlinische Galerie, Kunstmuseum Ahrenshoop, Akademie der Künste Berlin, Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst, Märkisches Museum Berlin (Stiftung Stadtmuseum Berlin), the art collection of the LBS Potsdam, Stiftung Kunstforum der Berliner Volksbank, as well as private collections like Sammlung Seitz, Reutlingen.

Sabine Herrmann, o.T., 2026, Pigmente, Acryl auf Bütten, 55 x 74,5 cm
Sabine Herrmann, o.T., 2026, Pigmente, Acryl auf Bütten, 56 x 74,5 cm

Fotos / photographs © Klaus Killisch